Welche Anziehhilfen es für Kompressionsstrümpfe gibt
Wer einen Kompressionsstrumpf nicht mehr allein anziehen kann, muss nicht auf ihn verzichten. Eine Anziehhilfe verringert die Kraft und die Bewegung, die Sie dafür brauchen. Außerdem schont sie das Gewebe des Strumpfs.
Die ärztliche Leitlinie zur Kompressionstherapie unterscheidet Gleiter, Gestelle und Sonderformen. Für Strümpfe mit offener und mit geschlossener Fußspitze gibt es eigene Modelle.
| Art | So funktioniert sie | Passt, wenn |
|---|---|---|
| Gleitsocke | Sie ziehen einen glatten Stoff über den Fuß, der Strumpf gleitet darüber | Ihre Hände wenig Kraft haben |
| Handschuhe | Eine griffige Schicht an der Handfläche hilft beim Hochziehen | Sie sich noch selbst bücken können |
| Gestell aus Metall | Sie spannen den Strumpf über den Rahmen und steigen hinein | Rücken, Hüfte oder Knie steif sind |
Welche Anziehhilfe passt, hängt davon ab, woran es hapert. Können Sie Ihre Finger gut nutzen, sich aber nicht bis zu den Füßen bücken, hilft ein Gestell mit Rahmen. Dann müssen Sie sich nicht bücken. Können Sie sich gut bücken, haben aber wenig Kraft in den Fingern, helfen eher griffige Handschuhe.
Wann die Krankenkasse eine Anziehhilfe bezahlt
Eine Anziehhilfe ist ein eigenes Hilfsmittel. Die Kasse zahlt sie, wenn Sie den Strumpf wegen einer Krankheit oder Einschränkung nicht mehr allein anziehen können. Die ärztliche Leitlinie nennt dafür unter anderem diese Gründe.
- Lähmungen
- nachlassende Kraft im Alter
- Arthrose oder Rheuma
- sehr starkes Übergewicht, mit dem Sie die Füße schwer erreichen
- eine steife Wirbelsäule, Hüfte oder ein steifes Knie
- Erkrankungen der Hände
- Folgen einer Verletzung oder Amputation
Die Leitlinie rät Ärztinnen ausdrücklich, bei Problemen mit dem Anziehen eine passende Anziehhilfe aufzuschreiben. Dass das Anziehen damit nur bequemer wird, reicht aber nicht. Die Anziehhilfe muss eine Einschränkung ausgleichen, die Sie haben.
Auf Rezept zahlen Sie wie bei jedem Hilfsmittel 10 Prozent dazu, mindestens 5 und höchstens 10 Euro. Kostet die Anziehhilfe weniger, zahlen Sie höchstens ihren Preis. Ab dem 1. Januar 2027 sind es mindestens 7,50 und höchstens 15 Euro.
Wie Sie eine Anziehhilfe auf Rezept bekommen
Die Anziehhilfe steht auf einem eigenen Rezept, getrennt vom Rezept für den Strumpf. Beide Hilfsmittel haben eine eigene Nummer im Verzeichnis der Krankenkassen und werden getrennt abgerechnet.
- Sagen Sie Ihrer Ärztin genau, woran das Anziehen scheitert, an der Kraft, an der Beweglichkeit oder an beidem.
- Lassen Sie ein eigenes Rezept für die Anziehhilfe ausstellen. Darauf steht der Grund, warum Sie sie brauchen.
- Lösen Sie das Rezept im Sanitätshaus ein. Lassen Sie sich dort zeigen, welche Anziehhilfe zu Ihrem Strumpf passt.
- Probieren Sie beim ersten Anziehen, ob Sie die Hilfe allein bedienen können, nicht nur mit Unterstützung im Laden.
Was eine Anziehhilfe ohne Rezept kostet
Anziehhilfen gibt es wie Kompressionsstrümpfe ohne Rezept im Sanitätshaus, in Apotheken und im Internet. Sie kosten dort 2,49 bis 99,90 Euro. Noppenhandschuhe gibt es ab 2,49 Euro je Paar, eine einfache Gleitsocke für 3,60 Euro. Ein Metallgestell wie der Compressana Snapper kostet 41,00 Euro, ein Set mit Gestell und Zubehör 99,90 Euro.
| Produkt | Art | Preis |
|---|---|---|
| Noppenhandschuhe | Handschuhe | ab 2,49 Euro je Paar |
| Compressana Gleitsocke | Gleitsocke | 3,60 Euro |
| Belsana grip-Star Spezialhandschuhe | Handschuhe | 4,80 Euro je Paar |
| Compressana Easy | Gleithilfe | 14,00 Euro |
| Compressana Snapper | Gestell aus Metall | 41,00 Euro |
| DOFF N' DONNER SET | Set mit Gestell und Zubehör | 99,90 Euro |
Ein einfacher Handschuh kostet nur einen Bruchteil eines Sets mit Gestell. Probieren Sie deshalb zuerst, ob die günstige Lösung für Sie reicht.
Wann ein Pflegedienst beim Anziehen hilft
Es gibt einen zweiten Weg. Ein ambulanter Pflegedienst kann Ihnen die Strümpfe an- und ausziehen. Ihre Ärztin schreibt das als häusliche Krankenpflege auf. Die Kasse übernimmt das in allen vier Kompressionsklassen, wenn Sie es brauchen.
Ein Strumpf der Klasse III oder IV lässt sich allein oft kaum anziehen. Die Leitlinie empfiehlt dann, zwei Strümpfe einer niedrigeren Klasse übereinander zu tragen. Welche Kombination passt, entscheidet Ihre Ärztin.
Welche Anziehhilfe zu Ihrer Kompressionsklasse passt
Je höher die Kompressionsklasse, desto fester sitzt der Strumpf und desto mehr Kraft brauchen Sie zum Anziehen. Die Klasse legt Ihre Ärztin fest, das Sanitätshaus misst beim Anmessen der Kompressionsstrümpfe nur die Größe.
- Bei Klasse I oder II reichen oft griffige Handschuhe oder eine Gleitsocke.
- Bei Klasse III oder IV gibt ein Gestell mehr Halt, weil Sie den Strumpf nicht mit den Fingern hochziehen müssen.
- Hat Ihr Strumpf eine offene Fußspitze, fragen Sie, ob die Anziehhilfe dafür gemacht ist.
- Lassen Sie sich ein Gestell im Sanitätshaus vorführen, denn der Umgang braucht etwas Übung.
Bei offener Fußspitze passt oft eine Gleitsocke besser als ein Handschuh. Sie führt den Strumpf gleichmäßig über den ganzen Fuß. Lassen Sie sich das an Ihrem eigenen Strumpf zeigen, bevor Sie kaufen.
Wann Sie eine Anziehhilfe ersetzen sollten
Eine Anziehhilfe nutzt sich ab. Eine Gleitsocke verliert durch häufiges Waschen ihre glatte Schicht. An einem Metallgestell können raue Stellen entstehen, wenn der Lack abgeht.
- Waschen Sie Gleitsocken und Handschuhe so, wie der Hersteller es angibt, meist von Hand oder im Schonwaschgang.
- Prüfen Sie ein Gestell regelmäßig auf raue Stellen, die den Strumpf beschädigen können.
- Ersetzen Sie eine Gleitsocke, sobald sie deutlich schwerer über den Fuß gleitet als am Anfang.
Brauchen Sie eine Anziehhilfe oder einen Pflegedienst?
Schaffen Sie das Anziehen allein mit Gleitsocke oder Gestell?
Eine Anziehhilfe reicht. Sie bekommen sie auf Rezept oder kaufen sie selbst.
Leben Sie allein und brauchen jeden Tag Hilfe?
Fragen Sie Ihre Ärztin nach einem Pflegedienst, der Ihnen beim An- und Ausziehen hilft.
Vielleicht kann eine Person aus Ihrem Haushalt die Anziehhilfe bedienen. Sie können beide Wege auch verbinden.
Häufige Fragen
Bekomme ich eine Anziehhilfe für Kompressionsstrümpfe auf Rezept?
Ja, eine Anziehhilfe für Kompressionsstrümpfe bekommen Sie auf Rezept, wenn Sie den Strumpf sonst nicht allein anziehen können. Gründe sind etwa Lähmungen, nachlassende Kraft im Alter, Arthrose, starkes Übergewicht oder ein steifer Rücken. Ohne solchen Grund kaufen Sie die Anziehhilfe selbst.
Was kostet eine Anziehhilfe für Kompressionsstrümpfe ohne Rezept?
Eine Anziehhilfe für Kompressionsstrümpfe kostet ohne Rezept 2,49 bis 99,90 Euro. Noppenhandschuhe gibt es ab 2,49 Euro je Paar, eine Gleitsocke für 3,60 Euro und ein Metallgestell für 41,00 Euro.
Welche Anziehhilfe passt zu Kompressionsstrümpfen der Klasse III oder IV?
Bei Kompressionsstrümpfen der Klasse III oder IV gibt ein Metallgestell meist mehr Halt als eine Gleitsocke. Sie müssen den Strumpf dann nicht mit den Fingern hochziehen. Lassen Sie sich das Gestell vor dem Kauf im Sanitätshaus vorführen.
Hilft ein Pflegedienst auf Kosten der Kasse beim Anziehen von Kompressionsstrümpfen?
Ja, ein Pflegedienst kann Ihnen die Kompressionsstrümpfe auf Kosten der Krankenkasse an- und ausziehen, wenn Sie es selbst nicht schaffen. Das gilt in allen vier Kompressionsklassen. Ihre Ärztin schreibt dafür häusliche Krankenpflege auf.
Brauche ich für Kompressionsstrumpf und Anziehhilfe zwei Rezepte?
Ja, für Kompressionsstrumpf und Anziehhilfe brauchen Sie zwei getrennte Rezepte. Beide sind eigene Hilfsmittel und werden einzeln abgerechnet. Nur so zahlt die Kasse beide.
