Was einen Stützstrumpf vom Kompressionsstrumpf unterscheidet
Stützstrümpfe und medizinische Kompressionsstrümpfe sehen ähnlich aus, wirken aber verschieden. Ein Stützstrumpf ist ein normales Kleidungsstück. Er drückt leicht, aber niemand misst, wie stark. Er eignet sich zum Vorbeugen, wenn Ihre Venen gesund sind.
Ein medizinischer Kompressionsstrumpf ist ein Medizinprodukt. Er drückt genau festgelegt, am Knöchel am stärksten und nach oben hin weniger. So behandelt er eine Erkrankung der Venen oder der Lymphgefäße, die eine Ärztin festgestellt hat.
Den Unterschied erkennen Sie am Gütezeichen RAL-GZ 387. Das ist ein Prüfsiegel für medizinische Kompressionsstrümpfe. Hersteller mit diesem Siegel werden jedes Jahr unabhängig geprüft. Ein Stützstrumpf trägt dieses Zeichen nicht und hat auch keine Kompressionsklasse auf dem Etikett, egal wie fest er sich anfühlt.
| Merkmal | Stützstrumpf | Medizinischer Kompressionsstrumpf |
|---|---|---|
| Was es ist | Kleidungsstück | Medizinprodukt |
| Prüfsiegel | keins | Gütezeichen RAL-GZ 387, jedes Jahr geprüft |
| Druck | leicht, nicht gemessen | genau festgelegt, am Knöchel am stärksten |
| Kompressionsklasse auf dem Etikett | nein | ja, Klasse I bis IV |
| Wofür | Vorbeugen bei gesunden Venen | Behandlung einer festgestellten Venen- oder Lympherkrankung |
| Zahlt die Kasse? | nie | ja, mit Rezept |
Wann ein Stützstrumpf für Ihre Beine reicht
Ein Stützstrumpf reicht, wenn Ihre Venen gesund sind und Sie nur vorbeugen wollen. Das gilt etwa auf langen Reisen oder wenn Sie im Beruf viel stehen oder sitzen.
- lange Flug- oder Busreisen ohne bekannte Venenerkrankung
- Arbeit im Stehen oder Sitzen, wenn die Beine abends leicht schwer sind
- Sport mit kurzer, harmloser Schwellung ohne Diagnose
- Vorbeugen auf ärztlichen Rat, wenn Krampfadern in der Familie liegen, Ihre Venen aber gesund sind
Stellt Ihre Ärztin eine Erkrankung fest, reicht ein Stützstrumpf nicht mehr. Das sind etwa Krampfadern, ein Lymphödem, also gestautes Gewebewasser, oder Folgeschäden nach einer Thrombose. Dann brauchen Sie den genau festgelegten Druck eines medizinischen Strumpfs, auch wenn Sie ihn selbst bezahlen.
Medizinische Kompressionsstrümpfe können Sie ohne Rezept kaufen
Das Rezept brauchen Sie nicht für den Kauf, sondern nur, damit die Kasse zahlt. Ein Sanitätshaus verkauft Ihnen einen medizinischen Kompressionsstrumpf auch ohne Rezept. Sie zahlen dann den vollen Preis.
Ohne Rezept brauchen Sie trotzdem denselben Strumpf wie mit Rezept, also die passende Kompressionsklasse und genau Ihre Größe. Beim Kauf gelten dieselben Regeln wie beim Anmessen von Kompressionsstrümpfen auf Rezept. Gemessen wird morgens, bevor die Beine anschwellen, und jedes Bein einzeln.
Manche Praxen stellen das Rezept erst nach einem Kontrolltermin aus. Brauchen Sie den Strumpf schon vorher, kann ein selbst gekaufter Strumpf mit der richtigen Klasse die Zeit überbrücken. Die Kasse erstattet Ihnen diesen Kauf aber in der Regel nicht.
Warum vor dem Kompressionsstrumpf die Durchblutung geprüft wird
Ein Kompressionsstrumpf drückt das Gewebe zusammen. So fließt das Blut in den Venen besser zum Herzen zurück. Bei einer fortgeschrittenen Durchblutungsstörung der Beinarterien kann dieser Druck aber schaden. Diese Krankheit heißt auch Schaufensterkrankheit. Dabei sind die Adern verengt, die Blut in die Beine bringen, und Druck von außen versorgt das Gewebe noch schlechter.
Ihre Ärztin misst dafür den Blutdruck am Knöchel und am Arm und vergleicht beide Werte. Das geht schnell mit einem kleinen Ultraschallgerät. Ist der Wert am Knöchel kleiner als die Hälfte des Werts am Arm, soll kein Kompressionsstrumpf getragen werden. Das gilt auch, wenn der Blutdruck am Knöchel unter 60 mmHg liegt.
Das Sanitätshaus misst diese Werte beim Anmessen nicht. Hatten Sie diese Untersuchung noch nie, kennen Sie Ihr Risiko nicht.
Was Kompressionsstrümpfe ohne Rezept kosten
Ein Stützstrumpf aus der Drogerie kostet ab rund 3 Euro. Ein medizinischer Kompressionsstrumpf kostet ohne Rezept ab 52,90 Euro. Mit Rezept zahlen Sie bis zum 31. Dezember 2026 nur 5 bis 10 Euro je Strumpf dazu, ab dem 1. Januar 2027 sind es 7,50 bis 15 Euro.
| Weg | Was Sie zahlen | Beispiel |
|---|---|---|
| Stützstrumpf aus der Drogerie | ab rund 3 Euro | Stützkniestrumpf, 40 DEN |
| Medizinischer Kompressionsstrumpf ohne Rezept | ab 52,90 Euro | mediven elegance, Wadenstrumpf |
| Medizinischer Kompressionsstrumpf mit Rezept, bis 31. Dezember 2026 | 5 bis 10 Euro je Strumpf | den Rest zahlt die Kasse |
| Medizinischer Kompressionsstrumpf mit Rezept, ab 1. Januar 2027 | 7,50 bis 15 Euro je Strumpf | den Rest zahlt die Kasse |
- Lassen Sie sich auch ohne Rezept morgens anmessen, statt nur eine Größe aus der Tabelle zu wählen.
- Lassen Sie sich die Kompressionsklasse auf der Verpackung zeigen.
- Fragen Sie, welche Klasse zu Ihrer Diagnose passt, und lassen Sie sich das aufschreiben.
- Probieren Sie den Strumpf im Laden an und gehen Sie ein paar Schritte, bevor Sie zahlen.
- Weicht Ihr Bein stark von der Größentabelle ab, fragen Sie nach einem Strumpf nach Maß. Er kostet mehr, sitzt aber besser.
Woran Sie einen zu engen Kompressionsstrumpf erkennen
Ohne Anmessen im Sanitätshaus kaufen Sie leichter einen Strumpf, der nicht passt. Ein zu enger Strumpf schnürt ein, ein zu weiter wirkt kaum. Beides merken Sie an Ihrem Bein, wenn Sie darauf achten.
- Ziehen Sie den Strumpf morgens an. Zeigt sich nach einer Stunde am Knöchel oder in der Kniekehle eine tiefe Kerbe, ist er zu eng.
- Achten Sie auf Kribbeln, Taubheit oder kühle Haut an Zehen oder Ferse. Melden Sie das sofort Ihrer Arztpraxis.
- Rutscht der Strumpf nach wenigen Stunden deutlich nach unten, ist er zu groß oder die Klasse zu niedrig.
- Vergleichen Sie beide Beine, wenn nur eines geschwollen ist. Ein Strumpf in Standardgröße passt dann oft nur an einem Bein gut.
- Fotografieren Sie auffällige Hautstellen und zeigen Sie die Bilder in der nächsten Sprechstunde.
Brauchen Sie einen Stützstrumpf oder einen Kompressionsstrumpf?
Diese drei Fragen ersetzen keinen Arztbesuch. Sie zeigen aber, worüber Sie mit der Praxis oder dem Sanitätshaus sprechen sollten.
Hat eine Ärztin bei Ihnen eine Venen- oder Lympherkrankung festgestellt?
Wurde Ihre Durchblutung schon geprüft?
Lassen Sie sich die passende Klasse sagen und morgens anmessen, mit oder ohne Rezept.
Lassen Sie zuerst die Durchblutung prüfen. Kaufen Sie erst danach einen Strumpf ab Klasse II.
Wollen Sie nur vorbeugen, etwa auf Reisen?
Ein Stützstrumpf aus der Drogerie reicht dafür.
Lassen Sie Ihre Beschwerden zuerst ärztlich abklären.
Fällt Ihnen das Anziehen eines festen Strumpfs schwer, hilft eine Anziehhilfe für Kompressionsstrümpfe. Es gibt sie ebenfalls mit und ohne Rezept.
Häufige Fragen
Darf ich medizinische Kompressionsstrümpfe ohne Rezept kaufen?
Ja, medizinische Kompressionsstrümpfe dürfen Sie ohne Rezept kaufen. Das Rezept brauchen Sie nur, damit die Krankenkasse zahlt. Ohne Rezept zahlen Sie den vollen Preis, ab 52,90 Euro.
Erstattet die Krankenkasse einen ohne Rezept gekauften Kompressionsstrumpf?
In der Regel nein, die Krankenkasse erstattet einen ohne Rezept gekauften Kompressionsstrumpf nicht. Sie zahlt, wenn Sie das Rezept vor dem Kauf im Sanitätshaus einlösen. Holen Sie das Rezept deshalb möglichst vorher.
Woran erkenne ich im Laden einen medizinischen Kompressionsstrumpf?
Einen medizinischen Kompressionsstrumpf erkennen Sie an der Kompressionsklasse auf dem Strumpf und am Gütezeichen RAL-GZ 387. Fehlt beides, ist es ein Stützstrumpf, auch wenn auf der Packung Kompression steht.
Reicht bei Krampfadern ein Stützstrumpf?
Nein, bei festgestellten Krampfadern reicht ein Stützstrumpf nicht. Er baut keinen genau festgelegten Druck auf. Sie brauchen einen medizinischen Kompressionsstrumpf in der Klasse, die Ihre Ärztin festlegt.
Sind Kompressionsstrümpfe bei kalten Füßen oder Wadenschmerzen beim Gehen gefährlich?
Ja, bei kalten Füßen und Wadenschmerzen beim Gehen können Kompressionsstrümpfe gefährlich sein. Beide Zeichen können auf eine Durchblutungsstörung der Beinarterien hinweisen. Bei einer fortgeschrittenen Störung soll kein Kompressionsstrumpf getragen werden. Lassen Sie das vor dem ersten Kauf ärztlich prüfen.
