Was Thrombosestrümpfe von Kompressionsstrümpfen unterscheidet
Thrombosestrümpfe und medizinische Kompressionsstrümpfe drücken beide auf das Bein. Sie haben aber verschiedene Aufgaben. Ein Kompressionsstrumpf behandelt eine Erkrankung der Venen oder Lymphgefäße, die schon besteht. Ein Thrombosestrumpf soll einer Thrombose vorbeugen, also einem Blutgerinnsel in einer Beinvene, solange Sie viel liegen. Im Krankenhaus hören Sie dafür oft das Kürzel MTS.
Ein Thrombosestrumpf drückt deutlich schwächer. Für ihn gibt es keine verbindliche Norm wie für Kompressionsstrümpfe, sondern nur Richtwerte aus einer europäischen Vorstufe einer Norm. Danach soll er am Knöchel mit 13 bis 18 mmHg drücken, höchstens mit 21 mmHg, und nach oben hin schwächer werden. In mmHg wird auch der Blutdruck gemessen.
| Merkmal | Thrombosestrumpf | Medizinischer Kompressionsstrumpf |
|---|---|---|
| Wofür | einer Thrombose vorbeugen, solange Sie viel liegen | eine bestehende Venen- oder Lympherkrankung behandeln |
| Druck am Knöchel | meist 13 bis 18 mmHg, höchstens 21 mmHg | 18 mmHg in Klasse I bis 49 mmHg und mehr in Klasse IV |
| Norm | keine Pflicht, nur Richtwerte | Gütezeichen RAL-GZ 387 mit vier Klassen |
| Wann tragen | auch nachts, solange Sie viel liegen | meist nur tagsüber |
| Typischer Anlass | Operation oder Aufenthalt im Krankenhaus | Behandlung zu Hause über lange Zeit |
Auch das Messen läuft anders. Einen Kompressionsstrumpf misst das Sanitätshaus beim Anmessen von Kompressionsstrümpfen morgens am Bein. Einen Thrombosestrumpf misst meist die Pflegekraft direkt am Krankenbett, oft schon am Tag der Aufnahme.
Warum es nach einer Operation nicht immer Thrombosestrümpfe gibt
Lange bekam fast jeder Patient nach einer Operation Thrombosestrümpfe, zusätzlich zur Spritze gegen Thrombose. Die aktuelle ärztliche Leitlinie zur Vorbeugung von Thrombosen sieht das anders. Sie empfiehlt die Strümpfe nicht mehr ausdrücklich, wenn Sie schon Medikamente gegen Thrombose bekommen.
Der Grund ist eine große Auswertung von 31 Studien mit 14.108 Teilnehmenden. Sie fand neben den Medikamenten keinen klaren zusätzlichen Nutzen der Strümpfe. Dafür traten mehr Hautschäden auf, je nach Studie bei 0 bis 6 Prozent der Patienten.
Grundsätzlich wirken Thrombosestrümpfe aber. In 20 Studien mit 1.681 Patienten sank der Anteil der Thrombosen von 5 auf 1 Prozent, wenn die Patienten Strümpfe trugen.
Wann Thrombosestrümpfe im Krankenhaus sinnvoll sind
Manche Patienten dürfen keine Medikamente gegen Thrombose bekommen, etwa weil sie gerade bluten. Sie sollen dann mit Druck von außen vorbeugen. Die Leitlinie empfiehlt dafür vorrangig ein Gerät mit Luftmanschetten, die sich abwechselnd aufpumpen. Nach den Studien wirkt es besser als Thrombosestrümpfe.
In den Studien begann das Tragen einen Tag vor der Operation oder am Tag der Operation. Es endete mit der Entlassung oder wenn die Patienten sich ganz erholt hatten.
Bei einer schweren Durchblutungsstörung der Beinarterien oder bei Wunden am Bein sind Thrombosestrümpfe nur eingeschränkt möglich. Der Druck kann die Durchblutung dann weiter verschlechtern. Das prüft das Behandlungsteam, bevor es die Strümpfe anlegt. Für das Gerät mit Luftmanschetten gelten weitere Ausschlussgründe, etwa eine schwere Herzschwäche.
Wie lange Sie Thrombosestrümpfe nach der Operation tragen
Wie lange Sie die Strümpfe tragen, hängt davon ab, wie beweglich Sie sind. Eine feste Zahl von Tagen gibt es nicht. Solange Sie meist liegen oder sitzen, bleibt das Risiko für eine Thrombose erhöht. Sobald Sie wieder regelmäßig gehen, sinkt es.
- Tragen Sie die Strümpfe so, wie das Behandlungsteam es sagt, auch nachts.
- Fragen Sie bei der Visite, wann Sie die Strümpfe weglassen können.
- Melden Sie Druckstellen, kalte Zehen oder gerötete Haut sofort der Pflege.
- Klären Sie vor der Entlassung, ob Sie zu Hause weiter Strümpfe brauchen und wer sie aufschreibt.
Brauchen Sie nach der Entlassung weiter Druck auf den Beinen, ist das meist kein Thrombosestrumpf mehr. Dann bekommen Sie einen angemessenen medizinischen Kompressionsstrumpf auf eigenem Rezept. Fragen Sie, ob das Krankenhaus das Rezept über das Entlassmanagement für Hilfsmittel ausstellt, also über die Planung für die Zeit nach dem Krankenhaus.
Was Thrombosestrümpfe im Krankenhaus und danach kosten
Im Krankenhaus gehören Thrombosestrümpfe zur Behandlung. Das Krankenhaus rechnet sie mit seiner Pauschale für Ihren Aufenthalt ab. Sie bekommen dafür in der Regel keine eigene Rechnung.
Brauchen Sie nach der Entlassung weiter Strümpfe, gilt das wie für jedes Hilfsmittel. Mit Rezept zahlen Sie 10 Prozent dazu, mindestens 5 und höchstens 10 Euro. Das gilt bis zum 31. Dezember 2026. Ab dem 1. Januar 2027 sind es mindestens 7,50 und höchstens 15 Euro. Ohne Rezept zahlen Sie den vollen Preis.
Steht auf einer Rechnung des Krankenhauses ein Posten, den Sie nicht verstehen, fragen Sie nach, bevor Sie zahlen.
Woran Sie Thrombosestrümpfe im Handel erkennen
Weil es keine Pflichtnorm gibt, unterscheiden sich Thrombosestrümpfe verschiedener Hersteller stärker als Kompressionsstrümpfe. Achten Sie deshalb auf diese Punkte.
- Prüfen Sie, ob der Strumpf ausdrücklich als Thrombosestrumpf oder Antithrombosestrumpf bezeichnet ist.
- Achten Sie auf eine offene Zehenspitze. So kann die Pflege die Durchblutung der Zehen prüfen, ohne den Strumpf auszuziehen.
- Fragen Sie nach der Größentabelle des Herstellers, denn eine einheitliche Größe gibt es nicht.
- Sollen Sie den Strumpf zu Hause weiter tragen, fragen Sie im Sanitätshaus, ob er für Tag und Nacht gemacht ist.
Hat Ihnen die Klinik einen bestimmten Druck empfohlen, vergleichen Sie zwei Hersteller anhand ihrer Datenblätter. Ein Sanitätshaus kann Ihnen die Datenblätter zeigen und die Werte mit der Empfehlung abgleichen.
Welchen Strumpf Sie nach der Entlassung brauchen
Liegen Sie zu Hause meist im Bett oder können sich kaum bewegen?
Klären Sie mit der Klinik oder Ihrer Hausärztin, ob Sie weiter Thrombosestrümpfe tragen sollen und wer sie aufschreibt.
Hat Ihre Ärztin eine Erkrankung der Venen oder Lymphgefäße festgestellt?
Sie brauchen einen angemessenen medizinischen Kompressionsstrumpf mit Kompressionsklasse, keinen Thrombosestrumpf.
Klären Sie mit Ihrer Praxis, ob Sie überhaupt noch Strümpfe brauchen.
Häufige Fragen
Bekomme ich nach jeder Operation Thrombosestrümpfe?
Nein, Thrombosestrümpfe bekommen Sie nicht nach jeder Operation. Die ärztliche Leitlinie empfiehlt sie nicht mehr ausdrücklich zusätzlich zu Medikamenten gegen Thrombose. Ob Sie welche bekommen, hängt von Ihrer Klinik, Ihrer Beweglichkeit und Ihren Medikamenten ab.
Was unterscheidet Thrombosestrümpfe von Kompressionsstrümpfen?
Thrombosestrümpfe drücken schwächer als Kompressionsstrümpfe, meist mit 13 bis 18 mmHg am Knöchel. Sie sollen einer Thrombose vorbeugen, solange Sie viel liegen, und werden auch nachts getragen. Kompressionsstrümpfe behandeln eine bestehende Venen- oder Lympherkrankung mit genau festgelegtem Druck.
Wie lange muss ich Thrombosestrümpfe nach der Operation tragen?
Thrombosestrümpfe tragen Sie, bis Sie wieder genug in Bewegung sind. Eine feste Zahl von Tagen gibt es nicht. Oft tragen Sie die Strümpfe bis zur Entlassung oder bis Sie sich ganz erholt haben.
Muss ich Thrombosestrümpfe im Krankenhaus selbst bezahlen?
Nein, Thrombosestrümpfe im Krankenhaus zahlen Sie nicht selbst. Sie gehören zur Behandlung und sind mit der Pauschale des Krankenhauses abgegolten. Erst für Strümpfe nach der Entlassung zahlen Sie mit Rezept eine Zuzahlung.
Kann ich nachts einen Kompressionsstrumpf statt eines Thrombosestrumpfs tragen?
In der Regel nicht, denn ein medizinischer Kompressionsstrumpf ist meist nur für den Tag gedacht. Er drückt stärker als ein Thrombosestrumpf. Fragen Sie Ihre Praxis, bevor Sie einen Strumpf gegen den anderen tauschen.
Darf ich Thrombosestrümpfe bei einer Durchblutungsstörung der Beine tragen?
Bei einer schweren Durchblutungsstörung der Beinarterien sind Thrombosestrümpfe nur eingeschränkt möglich. Der Druck kann die Durchblutung weiter verschlechtern. Lassen Sie das vom Behandlungsteam prüfen, bevor die Strümpfe angelegt werden.
