Wann Sie einen Diabetesschutzschuh auf Rezept bekommen
Einen Diabetesschutzschuh bekommen Sie, wenn Ihr Diabetes die Nerven am Fuß geschädigt hat oder der Fuß schlecht durchblutet ist. Den Nervenschaden nennen Ärzte Polyneuropathie. Sie spüren dann Druck und Schmerz am Fuß schlechter oder gar nicht mehr. Aus einer kleinen Reibestelle kann so unbemerkt eine offene Wunde werden, ein diabetisches Fußgeschwür.
Fachleute der Deutschen Diabetes Gesellschaft teilen den Fuß bei Diabetes in Risikoklassen von 0 bis VII ein. Nach dieser Einteilung richtet sich, welchen Schuh Sie bekommen. Ihre Ärztin untersucht Gefühl und Durchblutung Ihres Fußes. Dann trägt sie die Diagnose und die passende Klasse auf dem Rezept ein.
Für den Test des Gefühls drückt Ihre Ärztin einen dünnen Kunststofffaden an mehreren Stellen auf Ihre Fußsohle, das 10-Gramm-Monofilament. Spüren Sie den Druck nicht mehr sicher, ist der Nervenschaden nachgewiesen. Außerdem tastet Ihre Ärztin die Pulse am Fuß und misst bei Bedarf den Blutdruck an Knöchel und Arm. So erkennt sie, ob auch die Durchblutung gestört ist.
- Ihre Ärztin hat einen Nervenschaden mit Gefühlsverlust oder eine deutliche Durchblutungsstörung am Fuß festgestellt.
- Ihre Risikoklasse ist festgehalten, für den Diabetesschutzschuh mindestens Klasse II.
- Auf dem Rezept stehen die Diagnose und Diabetesschutzschuh oder diabetesadaptierte Fußbettung.
- Der Betrieb, der Schuh und Fußbettung anfertigt, kennt sich mit dem diabetischen Fuß aus und hat einen Vertrag mit Ihrer Kasse.
Welche Risikoklasse Ihre Fußversorgung bei Diabetes bestimmt
Je höher die Risikoklasse, desto stärker muss die Versorgung den Fuß schützen. Ab Klasse II gibt es den Diabetesschutzschuh, ab Klasse III meist mit Fußbettung und ab Klasse IV Maßschuhe.
| Klasse | Was am Fuß vorliegt | Übliche Versorgung |
|---|---|---|
| 0 | Diabetes ohne Nervenschaden und ohne Durchblutungsstörung | Beratung und gut passende Schuhe aus dem Laden |
| I | Wie 0, dazu eine Fehlform des Fußes | Orthopädische Schuhversorgung je nach Fehlform |
| II | Gefühlsverlust durch Nervenschaden oder deutliche Durchblutungsstörung | Diabetesschutzschuh mit herausnehmbarer Polstersohle |
| III | Nach einem Geschwür an der Fußsohle | Diabetesschutzschuh, meist mit diabetesadaptierter Fußbettung |
| IV | Wie II, dazu eine Fehlform, für die kein Schuh von der Stange passt | Maßschuhe mit diabetesadaptierter Fußbettung |
| V | Knochen und Gelenke im Fuß sind durch den Nervenschaden geschädigt | Maßschuhe über den Knöchel, Innenschuhe oder Orthesen |
| VI | Wie II, dazu eine Teilamputation am Fuß | Wie Klasse IV, dazu eine Prothese |
| VII | Akute Wunde oder akuter Knochenschaden am Fuß | Für eine Zeit Entlastungs- oder Verbandsschuhe, Interimsschuhe oder Orthesen |
Was einen Diabetesschutzschuh von anderen Schuhen unterscheidet
Ein Diabetesschutzschuh nimmt Druck von einem Fuß, der Druck selbst nicht mehr spürt. Er hat genug Platz für die Zehen in Länge und Höhe und ist breit genug. Innen hat er keine drückenden Nähte, und über empfindlichen, beweglichen Stellen ist das Material weich. Vorne fehlt eine harte Kappe, die auf den Fuß drücken könnte. Andere Namen für diesen Schuh sind Diabetesspezialschuh oder semiorthopädischer Schuh.
Zum Schuh gehört eine herausnehmbare Polstersohle. Sie muss den Druck am Fußballen um 30 Prozent senken. Die meisten Einlagen auf Rezept entstehen nach einem Abdruck in Trittschaum. Die diabetesadaptierte Fußbettung entsteht dagegen nach einem dreidimensionalen Abdruck Ihres Fußes, aus mehreren Schichten unterschiedlich harten Materials. An den Stellen, die im Alltag am stärksten belastet werden, nimmt sie gezielt Druck weg.
Schauen Sie Ihre Füße jeden Tag an, gerade weil Sie neue Druckstellen nicht spüren. Ein kleiner Spiegel hilft, die Fußsohle zu sehen. Das ersetzt nicht den Blick Ihrer Ärztin, zeigt aber eine Rötung oft schon vor dem nächsten Termin.
Wann Sie bei Diabetes Maßschuhe statt Schutzschuhen bekommen
Maßschuhe statt eines Schutzschuhs von der Stange bekommen Sie, wenn Ihr Fuß in keinen Schuh von der Stange passt. Auch weitere Umstände, die Ihr Risiko erhöhen, können Maßschuhe nötig machen. Die Fachleute der Diabetes Gesellschaft nennen dafür 11 Gründe.
- Am anderen Bein wurde schon eine größere Amputation gemacht.
- Ein erkranktes oder künstliches Hüft-, Knie- oder Sprunggelenk schränkt Ihre Beweglichkeit ein.
- Die große Zehe fehlt, oder ein Teil des Mittelfußknochens dahinter wurde entfernt.
- Ein Bein oder beide Beine sind geschwächt oder gelähmt.
- Sie stehen und gehen sehr unsicher.
- Ihr Body-Mass-Index liegt bei 35 oder höher.
- Ihre Nieren arbeiten so schlecht, dass Sie zur Dialyse müssen.
- Sie stehen oder gehen im Beruf die meiste Zeit.
- Sie sehen deutlich schlechter.
- Eine passende frühere Versorgung hat nicht gereicht.
- Eine Fehlform des Fußes erhöht den Druck an einer Stelle.
Haben Sie eine schwere Fehlform, einen Knochenschaden im Fuß oder eine Teilamputation?
Sie brauchen Maßschuhe mit diabetesadaptierter Fußbettung nach eigenem Leisten.
Trifft mindestens einer der 11 Gründe für Maßschuhe auf Sie zu?
Maßschuhe können nötig sein. Ihre Ärztin hält den Grund auf dem Rezept fest.
Ein Diabetesschutzschuh von der Stange reicht meist, nach einem Geschwür mit Fußbettung.
Für Maßschuhe muss Ihre Ärztin die Gründe so festhalten, dass die Kasse sie prüfen kann. Dafür gibt es eine eigene Beilage zum Rezept mit Feldern zum Ankreuzen. Deshalb dauert ein Rezept für Maßschuhe oft länger als ein einfaches.
Was Sie für orthopädische Maßschuhe selbst zahlen, hängt von der Schuhart und Ihrem Alter ab.
Wie Sie zu Schutzschuh und Fußbettung kommen
Am Anfang steht immer die Untersuchung von Nerven und Durchblutung.
- Ihre Ärztin prüft das Gefühl in Ihrem Fuß, meist mit dem 10-Gramm-Monofilament, und die Durchblutung. Dann legt sie Ihre Risikoklasse fest.
- Sie schreibt Diabetesschutzschuh, diabetesadaptierte Fußbettung oder Maßschuhe auf, bei Maßschuhen mit Begründung.
- Der Orthopädieschuhtechniker, also der Handwerker für Einlagen und Maßschuhe, nimmt für die Fußbettung einen dreidimensionalen Abdruck Ihres Fußes.
- Er fertigt Schuh und Fußbettung an und prüft bei der Abgabe, wie sich der Druck verteilt.
- Ihre Ärztin prüft die fertige Versorgung zusammen mit Ihnen. Sie achtet auf die Passform und darauf, dass Sie sicher stehen und gehen.
- Ab Risikoklasse III gehen Sie mindestens alle 3 Monate zur Kontrolle.
Was Sie für Diabetesschutzschuh und Fußbettung zahlen
Für Diabetesschutzschuh und diabetesadaptierte Fußbettung zahlen Sie dieselbe Zuzahlung wie für andere Hilfsmittel. Bis Ende 2026 sind das 10 Prozent des Preises, mindestens 5 und höchstens 10 Euro je Paar. Ab dem 1. Januar 2027 sind es mindestens 7,50 und höchstens 15 Euro. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren zahlen nichts dazu.
Für den Schutzschuh zahlen Sie außerdem einen Eigenanteil. Der Schutzschuh ersetzt einen normalen Schuh, den Sie sonst selbst gekauft hätten. Deshalb zahlt die Kasse nur den medizinischen Teil. Für die diabetesadaptierte Fußbettung allein fällt kein Eigenanteil an. Wie hoch der Eigenanteil für den Schuh ist, sagt Ihnen Ihre Kasse.
Lehnt Ihre Kasse Maßschuhe ab, obwohl die Gründe festgehalten sind, können Sie innerhalb eines Monats schriftlich Widerspruch einlegen.
Am besten stimmen sich Diabetologin, Hausärztin, Podologin und Orthopädieschuhtechniker ab, in manchen Regionen in einer Fußambulanz an einem Ort. Fragen Sie Ihre Diabetologin danach, besonders nach einem Geschwür.
Medizinische Fußpflege bei einer Podologin kann Ihre Ärztin bei einem Nervenschaden durch Diabetes ebenfalls aufschreiben. Sie ersetzt den Schutzschuh nicht. Der Schuh nimmt Druck vom Fuß, und die Fußpflege verhindert, dass Hornhaut selbst zur Druckstelle wird.
Häufige Fragen
Ab welcher Risikoklasse bekomme ich einen Diabetesschutzschuh auf Rezept?
Einen Diabetesschutzschuh bekommen Sie ab Risikoklasse II. Das ist der Fall, wenn ein Nervenschaden durch Diabetes oder eine Durchblutungsstörung Ihr Gefühl am Fuß verringert hat. Nach einem Geschwür an der Fußsohle kommt meist eine diabetesadaptierte Fußbettung dazu.
Was unterscheidet einen Diabetesschutzschuh von einem normalen Schuh?
Ein Diabetesschutzschuh hat mehr Platz für die Zehen, keine drückenden Nähte innen und weiches Material über empfindlichen Stellen. Dazu gehört eine herausnehmbare Polstersohle, die den Druck am Ballen um 30 Prozent senken muss. So schont er einen Fuß, der Druckstellen selbst nicht mehr spürt.
Wie oft muss ich mit diabetesadaptierter Fußbettung zur Kontrolle?
Ab Risikoklasse III gehen Sie mit diabetesadaptierter Fußbettung mindestens alle 3 Monate zur Kontrolle. Klasse III heißt, dass Sie schon ein Geschwür an der Fußsohle hatten. Dabei prüfen Ihre Ärztin oder der Orthopädieschuhtechniker Schuh, Fußbettung und Haut auf Druckstellen.
Brauche ich nach einer Teilamputation am Fuß zusätzlich eine Prothese?
Ja, nach einer Teilamputation am Fuß, die mindestens den Mittelfuß betrifft, gehört oft eine Prothese zur Versorgung. Sie gleicht den fehlenden Teil des Fußes im Schuh aus. Was Sie genau brauchen, hängt von Höhe und Art der Amputation ab.
Was kostet mich ein Diabetesschutzschuh auf Rezept?
Für einen Diabetesschutzschuh zahlen Sie 5 bis 10 Euro je Paar dazu, ab dem 1. Januar 2027 7,50 bis 15 Euro. Zusätzlich zahlen Sie einen Eigenanteil, weil der Schuh einen normalen Schuh ersetzt. Für die diabetesadaptierte Fußbettung allein fällt kein Eigenanteil an.
