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Wechseldruckmatratze von der Krankenkasse gegen Wundliegen

Veröffentlicht am , zuletzt aktualisiert am

Eine Wechseldruckmatratze zahlt die Krankenkasse, wenn ein Rezept ein hohes Risiko für Wundliegen oder eine schon vorhandene Druckstelle belegt. Ein Pflegegrad ist nicht nötig. Sie zahlen 10 Prozent dazu, bis Ende 2026 höchstens 10 Euro, ab 2027 höchstens 15 Euro. Ob eine einfache Weichlagerung reicht, schätzt eine Pflegefachkraft ein.

Ihre Zuzahlung bis Ende 2026
5 bis 10 Euro
§ 61 SGB V, Stand 22. September 2026
Ihre Zuzahlung ab 1. Januar 2027
7,50 bis 15 Euro
BGBl. 2026 I Nr. 228, Stand 22. September 2026
Obergrenze für alle Zuzahlungen
2 Prozent des Bruttoeinkommens im Jahr
§ 62 SGB V, Stand 22. September 2026
Eine Wechseldruckmatratze mit Luftkammern auf einem Pflegebett, die Pumpe hängt am Fußende.
Eine Wechseldruckmatratze, deren Luftkammern sich abwechselnd füllen und leeren. Bild: KI generiert.

Welche Matratze gegen Wundliegen zu Ihnen passt

Wundliegen heißt in der Fachsprache Dekubitus. Es entsteht, wenn lange Druck auf eine Stelle des Körpers wirkt und die Haut dort nicht mehr gut durchblutet wird. Am häufigsten trifft es Steißbein, Fersen und Schulterblätter.

Gegen Wundliegen gibt es zwei Arten von Matratzen. Eine Weichlagerungsmatratze aus weichem Material verteilt den Druck auf eine größere Fläche. Eine Wechseldruckmatratze hat Luftkammern, die eine elektrische Pumpe abwechselnd füllt und leert. So wird jede Körperstelle immer wieder ganz entlastet.

Welche Matratze passt, hängt vom Risiko und davon ab, wie viel sich die Person noch selbst bewegt. Eine feste Punkteskala gibt es dafür nicht mehr. Seit 2017 empfehlen die Pflegefachleute stattdessen, dass eine Pflegefachkraft den ganzen Menschen anschaut. Sie achtet auf Beweglichkeit, Haut, Ernährung, Feuchtigkeit und vorhandene Druckstellen.

Weichlagerungsmatratze und Wechseldruckmatratze im Vergleich.
MerkmalWeichlagerungsmatratzeWechseldruckmatratze
So wirkt sieverteilt den Druck über weiches Materialentlastet Körperstellen im Wechsel über eine Pumpe
Passt beikleinem bis mittlerem Risiko, wenn sich die Person noch bewegthohem Risiko oder schon vorhandener Druckstelle
Stromnicht nötignötig für die Pumpe
Geräusch und Pflegeleise, braucht kaum WartungPumpe ist hörbar, Luftkammern regelmäßig prüfen
Umlagern von Handweiter nötigseltener nötig, aber nicht überflüssig
Welche Matratze passt zu Ihrer Lage?

Gibt es schon eine Druckstelle oder ein hohes Risiko, etwa weil sich die Person gar nicht mehr bewegen kann?

Ja

Dann kommt meist eine Wechseldruckmatratze mit Pumpe infrage.

Nein

Bewegt sich die Person noch etwas selbst oder wird regelmäßig umgelagert?

Ja

Dann reicht oft eine Weichlagerungsmatratze zusammen mit festen Zeiten für das Umlagern.

Nein

Lassen Sie das Risiko zuerst von einer Pflegefachkraft oder der Arztpraxis einschätzen.

Welche Kasse die Matratze gegen Wundliegen zahlt

Eine Matratze gegen Wundliegen zahlt die Krankenkasse, auch ohne Pflegegrad. Sie behandelt eine Druckstelle oder beugt ihr vor. Auf der Liste der Hilfsmittel, die je nach Zweck auch die Pflegekasse übernehmen kann, stehen solche Matratzen nicht.

Oft fällt der Pflegedienst als Erster auf, dass die Haut gefährdet ist. Er sieht die Haut bei jedem Besuch, die Arztpraxis seltener. Sprechen Sie eine Rötung deshalb beim nächsten Pflegebesuch und in der Arztpraxis an und warten Sie nicht auf den nächsten Routinetermin. Beim Wundliegen zählt jeder Tag.

Wie Sie die Wechseldruckmatratze beantragen

Der Weg führt über ein Rezept aus der Arztpraxis oder, mit Pflegegrad, über die Empfehlung einer Pflegefachkraft.

  1. Lassen Sie Haut und Risiko von der Hausarztpraxis oder dem Pflegedienst einschätzen, sobald Rötungen an Druckstellen auffallen oder die Beweglichkeit deutlich nachlässt.
  2. Bitten Sie um ein Rezept. Das geht schon vorbeugend bei hohem Risiko, Sie müssen nicht warten, bis eine Wunde entsteht.
  3. Haben Sie einen Pflegegrad, kann auch der Pflegedienst eine schriftliche Empfehlung ausstellen. Sie ersetzt das Rezept, wenn sie beim Antrag höchstens 2 Wochen alt ist.
  4. Wählen Sie ein Sanitätshaus, das mit Ihrer Kasse einen Vertrag hat und das passende System liefert.
  5. Lassen Sie sich bei einer Wechseldruckmatratze zeigen, wie Pumpe und Luftdruck funktionieren, bevor Sie sie allein nutzen.

Das Sanitätshaus muss Sie vorher beraten, welches System für Sie geeignet und nötig ist. Diese Beratung muss es schriftlich festhalten, und Sie bestätigen sie mit Ihrer Unterschrift.

Was Sie für eine Wechseldruckmatratze zuzahlen

Ab 18 Jahren zahlen Sie für die Matratze 10 Prozent der Kosten dazu, mindestens 5 Euro und höchstens 10 Euro. Ab dem 1. Januar 2027 sind es mindestens 7,50 und höchstens 15 Euro.

Für alle Zuzahlungen eines Jahres gibt es eine Obergrenze. Sie liegt bei 2 Prozent Ihres Bruttoeinkommens im Jahr, bei chronisch Kranken bei 1 Prozent. Ist sie erreicht, zahlen Sie bis zum Jahresende nichts mehr dazu.

Ob Sie die Matratze geliehen bekommen

Eine Wechseldruckmatratze bekommen Sie in der Regel geliehen. Nach dem Gebrauch wird sie aufbereitet und an die nächste Person weitergegeben.

  • Eine Wechseldruckmatratze gehört meist weiter der Kasse, Sie geben sie zurück, wenn Sie sie nicht mehr brauchen.
  • Eine einfache Schaumstoffmatratze verkaufen manche Sanitätshäuser auch, weil sich die Aufbereitung kaum lohnt.
  • Defekte Luftkammern oder eine kaputte Pumpe lässt das Sanitätshaus reparieren, die Kasse zahlt.
  • Wird die Matratze nicht mehr gebraucht, etwa weil es der Person besser geht, melden Sie das dem Sanitätshaus. Es holt sie dann ab.

Was neben der Matratze gegen Wundliegen hilft

Eine Matratze allein verhindert kein Wundliegen. Die Pflegefachleute nennen feste Zeiten für das Umlagern, den täglichen Blick auf die Haut und gute Ernährung als gleich wichtig.

  • Legen Sie schriftlich fest, wann die Person umgelagert wird, auch wenn eine Matratze im Einsatz ist.
  • Schauen Sie sich die Druckstellen mindestens einmal am Tag an. Eine Rötung, die nach dem Entlasten nicht gleich verschwindet, ist ein frühes Warnzeichen.
  • Achten Sie darauf, dass die Person genug trinkt und genug Eiweiß bekommt. Das macht die Haut widerstandsfähiger.
  • Heben Sie beim Umlagern an, statt zu ziehen. Reiben und Schieben schaden der Haut zusätzlich.

Eine Wechseldruckmatratze, die läuft, auf der die Person aber stundenlang gleich liegt, verliert viel von ihrer Wirkung. Besprechen Sie deshalb vor der Lieferung mit dem Pflegedienst oder der Familie, wer die Haut kontrolliert und wie oft. Ein Pflegebett für zu Hause mit Motor kann das Umlagern zusätzlich erleichtern.

Häufige Fragen

Zahlt die Krankenkasse eine Wechseldruckmatratze gegen Wundliegen?

Ja, die Krankenkasse zahlt eine Wechseldruckmatratze, wenn ein Rezept ein hohes Risiko für Wundliegen oder eine vorhandene Druckstelle belegt. Ein Pflegegrad ist dafür nicht nötig. Sie zahlen 10 Prozent dazu, bis Ende 2026 höchstens 10 Euro.

Woran erkenne ich, ob ich eine Weichlagerungsmatratze oder eine Wechseldruckmatratze brauche?

Ob eine Weichlagerungsmatratze reicht oder eine Wechseldruckmatratze nötig ist, schätzt eine Pflegefachkraft ein. Bei kleinem bis mittlerem Risiko und erhaltener Beweglichkeit reicht oft die Weichlagerung. Bei hohem Risiko oder einer schon vorhandenen Druckstelle kommt meist die Wechseldruckmatratze infrage.

Wird zur Einschätzung des Risikos für Wundliegen noch die Braden-Skala verwendet?

Eine feste Skala wie die Braden-Skala empfehlen die Pflegefachleute seit 2017 nicht mehr. Stattdessen schätzt eine Pflegefachkraft das Risiko für Wundliegen ein und schaut dabei auf Beweglichkeit, Haut, Ernährung und vorhandene Druckstellen.

Wie viel zahle ich für eine Matratze gegen Wundliegen dazu?

Für eine Matratze gegen Wundliegen zahlen Sie 10 Prozent dazu, bis Ende 2026 mindestens 5 und höchstens 10 Euro. Ab dem 1. Januar 2027 sind es mindestens 7,50 und höchstens 15 Euro.

Ersetzt eine Wechseldruckmatratze das Umlagern?

Nein, eine Wechseldruckmatratze ersetzt das Umlagern nicht ganz. Feste Zeiten für das Umlagern, der tägliche Blick auf die Haut und gute Ernährung bleiben nötig. Die Matratze macht das Umlagern nur seltener nötig.

Bekomme ich eine Matratze gegen Wundliegen auch vorbeugend?

Ja, eine Matratze gegen Wundliegen bekommen Sie auch vorbeugend, wenn das Risiko hoch ist. Sie müssen nicht warten, bis eine offene Stelle entstanden ist.

Quellen und Methodik

Quellen und Lizenzen

  1. Paragraf 33 SGB V, Hilfsmittel, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,
  2. Paragraf 40 SGB XI, Pflegehilfsmittel und wohnumfeldverbessernde Maßnahmen, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,
  3. Paragraf 61 SGB V, Zuzahlungen, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,
  4. Paragraf 62 SGB V, Belastungsgrenze, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,
  5. Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege, 2. Aktualisierung 2017, Auszug, Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP),
  6. GKV-Hilfsmittelverzeichnis, Produktgruppe 11, Hilfsmittel zur Behandlung und Vorbeugung von Dekubitus, REHADAT, auf Grundlage des GKV-Hilfsmittelverzeichnisses,
  7. Gesetz zur Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung vom 24. Juli 2026, BGBl. 2026 I Nr. 228 (neue Zuzahlung ab 1. Januar 2027, Verbrauchshilfsmittel höchstens 15 Euro im Monat), Bundesgesetzblatt, recht.bund.de,
  8. Richtlinien des GKV-Spitzenverbandes zur Festlegung der doppelfunktionalen Hilfsmittel, Fassung vom 24. Juni 2020, Anlage 1, GKV-Spitzenverband,
  9. § 16 SGB I, Antragstellung (Weiterleitung an die zuständige Stelle), Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,

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Stand dieser Angaben: 2. Oktober 2026.